Installation;
Fotografien, Papier (mit Schreibmaschine beschrieben); variabel skalierbar;
Susanna Melem, 2024
Fotografien, Papier (mit Schreibmaschine beschrieben); variabel skalierbar;
Susanna Melem, 2024
„Wenn einer ein Schicksal hat, dann ist es ein Mann. Wenn einer ein Schicksal bekommt, dann ist es eine Frau.”
(Elfriede Jelinek: Die Liebhaberinnen; 1989)
(Elfriede Jelinek: Die Liebhaberinnen; 1989)
Erinnerungen an Gott, 1955 – 1964 montiert Erinnerungen. Die Arbeit erzählt die Perspektive einer Frau. Sie skizziert eine fragmentarische Retrospektive auf einen Lebensabschnitt, der von der Allgegenwart Gottes geprägt war.
Vorgezeichnete Wege und Rollen, Verantwortlichkeiten, Fürsorge gestalteten den Rahmen. Möglichkeiten waren fremdbestimmt und den Erwartungen, denen es zu entsprechen galt, konnte sich niemand entziehen. Gott bestimmte das Gute.
Vorgezeichnete Wege und Rollen, Verantwortlichkeiten, Fürsorge gestalteten den Rahmen. Möglichkeiten waren fremdbestimmt und den Erwartungen, denen es zu entsprechen galt, konnte sich niemand entziehen. Gott bestimmte das Gute.
Die ausgewählten neun Jahre markieren einen Abschnitt, den die Erzählerin rückblickend als solchen definiert. (1955 kaufte ihr Vater seinen ersten Fotoapparat, an die Zeit zuvor hat sie kaum Erinnerungen. 1964 entscheidet sie sich dazu, das ihr zugewiesene Sakrileg der Ehe zu nützen, um sich vor Gott zu verstecken.)
Die Erzählerin definiert den Anfangs- und den Endpunkt der Geschichte. Die Fotografien erzählen von Augenblicken, stellvertretend für einen Zeitraum. Die textlichen Versatzstücke sowie auch die Jahreszahlen bieten Anhaltspunkte und zeichnen Umrisse einer Lebensrealität.
Erinnerungen an Gott, 1955 – 1964 ist weder als ausgestelltes Archiv noch als dokumentarische Arbeit zu betrachten. Es ist eine Erzählung die sich, obwohl sie eindeutig in einer Vergangenheit zu verorten bleibt, auf gegenwärtige politische Realitäten bezieht und diese in den Kontext ihrer Entstehung/Herkunft/Genese stellt. Patriarchale Strukturen und der damit verbundene Angriff auf queere Körper sind nicht von den Politiken des Christentums und den Vorstellungen von Gott trennbar. Eine gegenwärtige Positionierung und Selbstermächtigung benötigt somit einen bewussten Umgang mit Vergangenem.